Freitag, 17. August 2007

25 Jahre ''Living Eyes'' - Tschüss CD!

Heute vor 25 Jahren, am 17. August 1982, wurden von Polygram in Hannover die ersten Compact Discs veröffentlicht. Ein Wagnis, wie man das damals einschätzte, denn die CD wurde von Fachleuten zunächst eher als Nischenprodukt für Klassikhörer eingestuft. Nicht umsonst orientierte sich die maximale Spielzeit von etwa 74 Minuten an Beethovens Neunter. Und Polygram hatte damals schließlich mit der Deutschen Grammophon und Philips das bedeutenste Klassikrepertoire im Programm.

Doch von Anfang an gehörte auch Popmusik zum CD-Repertoire des damals größten Tonträgervertriebs in Deutschland (heute: Universal), denn richtig Kohle verdient man mit Pop und Rock, nicht mit Klassik.

Bee Gees - Living EyesWas hat das mit den Bee Gees zu tun? Ganz einfach. Am 17. August 1982 erschien die bis heute sehr seltene (wegen der sehr kleinen Stückzahl) aufgelegte RSO-Pressung des Bee Gees Albums Living Eyes. Denn ein kleiner Strauß an Pop-CDs kam vor 25 Jahren ebenso in die Geschäfte. Und mit Polydor und dessen Unterlabel RSO eben auch Bee Gees Alben.

Zunächst aber eben nur Living Eyes. Überhaupt wurden zum Einstieg kaum ältere Titel sondern nur aktuelle Alben auf CD gepresst, die dem hohen Standard des neuen Mediums in Punkto Aufnahmequalität auch standhalten konnten (Dire Straits, Abba). Ein löbliches Vorhaben, dass aber alsbald aufgegeben wurde; als die CD zu boomen begann, wurde von der Industrie alles auf CD veröffentlicht, was irgendwie Töne produzierte. Da wurde ein unvergleichlicher Hype gestartet, der zum Ziel hatte, zunächst die Vinylschallplatte vom Markt zu drängen (die sich übrigens tapfer wehrte und noch das von TELDEC entwickelte DMM Verfahren präsentierte, was eine deutliche Qualitätssteigerung darstellte) und dann den Musikfans ihre Musiksammlungen noch einmal auf CD zu verkaufen, manchmal sogar zwei- oder dreifach, mit Bonustracks, remastert, plus Video etc etc.

Bereits 1987 gab es eine komplette remasterte Neuauflage des Beatleskatalogs. Klar, den Beatles war man das schuldig. Bei vielen anderen Musikern musste man da viel länger warten. Die Bee Gees Fans gar bis 2006, was aber eher an vertraglichen Problemen lag. Polydor hätte die Alben gar nicht remastern lassen können, da ihnen der Zugriff auf die originalen Masterbänder nicht möglich war. Deswegen wurden die Bee Gees CDs, die jahrelang weltweit in den Regalen standen, von Kopien gefertigt und belegten bis heute dann doch eher die Nachteile der CD, die gandenlos Fehler in Aufnahme oder Herstellung offenlegte und Hörtests mit der Schallplatte nicht standhielten.

Angeblich wurden bis heute über 200.000.000.000 Audio-CDs verkauft. Eine Wahnsinnszahl. Aber dem Jubilar gehts schlecht und manch einer gibt der CD keine 5 Jahre mehr. Der Absatz ist eingebrochen wie einst der der Schallplatte. Es gibt Labels, die verkaufen nur noch 10% der Menge, die sie noch vor 10 Jahren verkaufen konnten. Leben kann man als Musiker vom Verkauf einer CD längst nicht mehr. Dabei war das früher die Einnahmequelle schlechthin. Heute muss man auf Tour gehen (nicht von ungefähr steigen die Ticketpreise für Konzerte ebenso drastisch, wie die Absatzzahlen der CD abstürzen) und ein ganzes Repertoire an Fanartikeln anbieten, um sich als Musiker über Wasser halten zu können.

Die neuen Medien sind Downloadplattformen wie iTunes. Sie bieten den Musikern nun viel direktere Vermarktungsformen, was durchaus auch Vorteile hat, z.B. eine geringere Abhängigkeit von der Industrie. Barry Gibbs geplantes neues Album wird möglicherweise gar nicht mehr als CD erscheinen und offiziell nur zum Download bereistehen. Offenbar ist genau diese noch ungeklärte Frage des Vertriebs Grund für die Verzögerung bei der Veröffentlichung. So kann es kommen, das wir uns die CD selbst brennen müssen, wenn wir das neue Album Barry Gibbs im Player hören wollen.

Eine lustiger Nebeneffekt der gnadenlosen (und wertminderten) Digitalisierung: viele Labels bringen ihre Produkte parallel zum Download nicht mehr als CD sondern vermehrt wieder als Vinyl auf den Markt. Vielleicht ist das ja ein Trend. In Deutschland wurden zuletzt wieder etwa 15 Millionen Schallplatten im Jahr gefertigt, Tendenz steigend! - Tschüss CD!

Infos zur CD bei Wikipedia
Alles zur Schallplatte bei Wikipedia
Ein kleiner ZDF Film von 1983, der ziemlich erstaunt über dieses neue Ding CD berichtet. Was ist eigentlich eine CD?

Liebe Bee Gees Fans, noch ein Wort in eigener Sache. Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten nicht mehr so viel Zeit in diese Seite investieren können, wie ich das zuletzt konnte. Leider habe ich bis heute niemanden finden können, der mich bei der Suche nach Bee Gees News und deren Bereitstellung auf dieser Seite unterstützen konnte. Deswegen bitte ich um Nachsicht. Ich werde mich nicht mehr so oft aber doch weiterhin regelmäßig mit News um die Bee Gees melden - sofern sie welche produzieren!

Kommentare:

  1. Hallo mcdustsucker!
    Ich bin ganz neu & unerfahren im Internet. Über diese Seite bin ich ganz entzückt, weil ich so viele langgesuchte Informationen finde.
    Vor allen Dingen begeistert mich die Play-list der Raritäten. Ich fand auch die Möglichkeit des Downloadens darin, weiß aber nicht, ob bzw. wieviel das kostet?
    Ich hoffe, daß dich meine Frage hiermit erreicht, und du mir antworten kannst.
    Bin ich jetzt in deinem Blog? Das ist mir nämlich ebenfalls nicht klar. Auf jeden Fall möchte ich dir danken für diese mühselige Arbeit. Sie hat mir schon viel weitergeholfen.
    Viele liebe Grüße, Petra

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  2. habe gerade vorgestern gelesen, dass EMI und Universal planen, in absehbarer zeit von pop(ulären) acts gar keine physischen tonträger zu veröffentlichen.

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  3. hallo petra, danke für dein lob. freue mich sehr darüber!
    wenn du die downloadfunktion entdeckt hast, scheinst du so "unerfahren im internet" ja doch nicht zu sein ;-)
    wenn du mit mir direkt in kontakt treten willst, benutze bitte die mailadresse, die am ende der RARITÄTEN seite in der diskografie zu finden ist.
    danke!

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  4. Hallo knarz07, ja ich habe das auch gelesen; und es ist ja auch eine logische Konsequenz. Die CD war im Grunde ein Produkt, dass sich selbst abgeschafft hat und als Tonträger völlig ungeeignet; und hat sich als Industrienorm sowieso nie durchgesetzt. Es hat dem Musikfreund die Musik zerstört und zu einem Produkt gemacht, hat sie beliebig werden lassen, 1000fach kopierbar und damit wertlos.
    Immerhin hatte die CD noch ein Booklet, etwas das man anfassen, anschauen, mitlesen konnte. Denn das Haptile ist nicht zu unterschätzen, gerade im Popmusikbereich, zu dem man die Bee Gees ja zählen muss. Aber vergleiche mal einer das Booklet z.b. der Trafalgar CD mit dem aufklappbaren US-Album. Das ist etwas völlig anderes, das fühlt sich ganz anders an und gehört zum Musikhören auf jeden Fall dazu, denn nur so hat Popmusik überhaupt funktioniert und nur weil wir Bee Gees Fans alle (die meisten zumindest) schon erwachsen sind (um nicht zu sagen: sehr erwachsen) ist das noch lange kein Grund auf diese essentiellen Dinge des Popmusikfandaseins zu verzichten. Praktisch jeder Grund, der als Argument für die CD dient (und diente als man die Vinylschallplatte killen wollte), lässt sich, wenn man ehrlich ist, unter diesem Aspekt widerlegen. Es gibt keinen!

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  5. die woche auf der ifa hat einer gesagt, die vinylschallplatte gibts in 10 jahren ganz sicher noch, die CD wohl eher nicht.

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