Montag, 5. August 2013

Reissues aus Japan: Andy Gibb- und Bee Gees-Alben neu aufgelegt

Warner Japan hat angekündigt, im August die vier Andy Gibb-Alben, die zwischen 1977 und 1980 erschienen sind, als CDs, im sog. Mini-LP-Format, also in einer dem originalen LP-Cover nachempfundenen Papphülle, zu veröffentlichen. Da sie zum für japansiche Verhältnisse recht günstigen Preis von ¥1800, also etwa 13 EUR, angeboten werden, möchte ich mal davon ausgehen, dass es keinerlei Extras dazu geben wird und die originalen Alben 1:1 übernommen werden. 

Gleiches wird für die ungleich teureren Bee Gees-Wiederveröffentlichungen gelten, die für September geplant sind, und die zum Preis von ¥2500, als knapp 20 EUR, angeboten werden. Auch diese werden, soweit ich das erkennen konnte, ohne Bonustracks angeboten.

Angeblich hat Barry Gibb persönlich die 10 Alben für die Wiederveröffentlichung ausgewählt. Und siehe da, es befinden sich mit Cucumber Castle und Mr. Natural Alben darunter, die nun seit längerem als CD nicht mehr erhältlich waren und bei denen sich die Fans über einen etwas frischeren Sound freuen würden. Dazu, ob sich der Kauf unter diesem Aspekt jedoch lohnen wird, habe ich noch keine Informationen finden können. Ich bleibe aber am Ball.

Apropos Andy Gibb: bei der Lektüre der neuen Bee Gees-Biografie habe ich das Kapitel, das sich Andy Gibb widmet, mit großem Entsetzen gelesen. Eigentlich wollte ich es zuerst überspringen, habe es dann aber doch gelesen - und bin echt bestürzt. Was für ein Drama sich hinter Andy Gibbs Biografie verbirgt, war mir in diesem Ausmaß nie bewusst. Und das weder Manager, noch seine Brüder - und offenbar auch seine Eltern - all die Warnhinweise, wie sein exzessiver Drogenkonsum, seine Depressionen und Selbstzweifel, ignorierten, um seinen von Anfang an von allen Beteiligten forcierten Erfolgsplan einzuhalten, ist eigentlich ein Skandal. Wenn sich Vater Hugh nach Andys Tod selbst dem Alkohol hingab, weil er sich eine Mitschuld am frühen Ende seines Sohnes gab, und Barry Gibb noch heute mit seinem Versagen im Umgang mit seinem jüngsten Bruder hadert, kann ich das sehr gut verstehen.

Überhaupt der Drogenkonsum: sicher nichts Ungewöhnliches im Musikgeschäft der 60er und 70er Jahre. Aber bei den Gibbs? So muss es wohl auch Robin Gibb deutlich übertrieben haben, als er 1969 versuchte, sich seine Solokarriere aufzubauen. Schon der Abbruch der US-Tournee scheint mit Robins Drogenkonsum zusammen gehangen zu haben. Und auch die Drohung der Eltern Gibb, ihren 1970 ja noch minderjährigen Sohn zu entmündigen, weil er mit allzu wirren Interviews, schrägen Aussagen und absurden Aktionen von sich reden machte, waren offenbar seinem Amphetaminkonsum geschuldet.

Der Meyers-Biografie zufolge, hat selbst die Studioarbeit unter diesen Umständen gelitten. Die scheinbare Dominanz Barry Gibbs bei den Aufnahmen in den 70ern kam offenbar nicht von ungefähr und ist eher noch stärker einzuschätzen, als man das auf Alben von Saturday Night Fever bis Living Eyes zu hören bekommt. Maurice und Robin ließen sich damals aufgrund ihrer Drogenprobleme oftmals offenbar nur gelegentlich um Studio blicken, während Barry, besonders später, mit Albhy Galuten und Karl Richardson, im Studio die Aufnahmen leitete.

Mal schauen, was das Buch sonst noch so zu bieten hat. Bald bin ich durch.


Kommentare:

  1. Es ist eigentlich eine Schande, daß bis heute eine ganze Reihe der Bee Gees Alben noch nicht remastered wurden. Diejenigen Alben, die als Remasters erschienen sind, zeichnen sich entweder dadurch aus, daß nur eine Anhebung der Höhen bei gleichzeitiger starker Verminderung der Tiefen und Mitten stattgefunden hat, was zu einem sterilen und kalten Klang führt, oder aber sie fielen dem loudness war zum Opfer, wo man nur noch Sound und keinerlei Dynamik oder Transparenz mehr wahrnimmt.
    Auf den Drogen- und Alkoholkonsum von Andy Gibb hatten seine Brüder in keinster Weise einen Einfluß. Wohnte Andy Gibb anfangs noch in der Nähe eines Barry Gibb, so hat er sich dadurch, daß er seinen Wohnort extra wechselte, einer Kontrolle entzogen...
    Der rasante Erfolg eines Andy Gibb ist durchaus nicht forciert worden, sondern war wohl mehr eine Überraschung für alle Beteiligten. Die Bee Gees hatten gerade mal anderthalb Jahre zuvor ihr eigenes Comeback gehabt und waren zu der Zeit durchaus nicht die Superstars, die sie mit Saturday Night Fever wurden. Barry Gibb gab seinem Bruder eine sehr große Hilfestellung, mehr aber auch nicht. Aus diesem Grund sollte ja auch Andy eigentlich seine Lieder selbst schreiben. Andy Gibb hat sich als guter Liederschreiber auch profiliert, aber zwischen einem guten Lied und einem Hit liegen halt noch Welten. Ein Andy Gibb wurde schlechterdings mit dem, was ein Barry Gibb 'first fame' nennt, nicht fertig. Niemand hat ihn jemals dazu gezwungen, berühmt werden zu müssen. Das war ganz allein der Wunsch eines Andy Gibbs selber...
    Die Dominanz eines Barry Gibb zwischen 1975 und 1979 war das Resultat seiner musikalischen und gesanglichen Gabe. Weder Robin noch Maurice Gibb hatten jemals die Gabe, für eine andere als die eigene Stimme schreiben zu können. Robin Gibbs Vibrato-Stimme ist beheimatet in den Balladen früherer Jahre, denn eine solche Stimme braucht, um sich ausdehnen zu können, ruhige und langsame Lieder. Und solche Lieder entsprachen auch genau seiner eigenen Stimmung. Die Riesenhits der Bee Gees zwischen 1975 und 1979 hätte er niemals komponieren, geschweige denn produzieren können. Auch ein Maurice Gibb hatte diese Gabe nicht. Nach dem disco backlash meldeten sich dann Robin und Maurice Gibb zurück, weil sie wie zwei Bluthunde ihre Chance witterten. Aus diesem Grunde wurden denn auch die Alben zwischen 1981 und 2003 völlig zu Recht von den Kritikern als 'zunehmend seichter' kritisiert. Barry Gibb waren einfach die Hände gebunden. Wie hat er es kürzlich in einem Interview gesagt: " ... am Ende waren wir nicht einmal mehr Freunde."

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  2. Robins Soloalben waren dennoch erfolgreicher als die eines Barry.
    Auch seine Komposition für Jimmy Ruffin " Hold on to my love " wurde ein Hit -also soo ganz
    unbegabt war er dann doch nicht :-)
    Und wenn ich mir das Titanic Requiem anhöre. Gut, das ist keine Popmusik und trifft in seiner Tiefe eher Robins Wesen.
    Mal ehrlich : KEINER der drei hätte eine derartige Bee Gees-Karriere alleine hingelegt.
    Auch kein Barry !
    Das haben sie auch alle immer wieder betont.
    Nur zu dritt seien sie 'brilliant'.
    So ist es.
    Was Andy betrifft, so hatte er eine schöne Stimme -aber ohne den vorhergegangenen Erfolg ,der Popularität seiner Brüder und des Namen GIBB, wäre er nicht so weit gekommen
    Er wurde eher geliebt um seiner Brüder Willen-das hat er schnell gemerkt und darunter gelitten.
    Aber er hätte die Chance gehabt, noch ganz anderes aus seinem Leben zu machen.
    Jung genug war er.

    Vreni

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    1. An der Begabung eines Robin Gibb besteht keinerlei Zweifel. Was er besonders zwischen 1967 und 1969 an Liedern geschrieben hat - Hut ab! Und er hätte so auch noch 30 Jahre weitermachen können ... hätte sich nicht der allgemeine Musikgeschmack geändert. Robin Gibbs eigene Stimmung hat sich nämlich seit damals nicht mitverändert. Und welch enorme Grenze seine berühmte (und für ruhige Balladen äußerst passende!) Vibrato-Stimme hatte, konnte man sehr schön in den letzten 10 Jahren seines Wirkens hören. Ihn die großen Bee Gees Titel von 1975 bis 1987 live singen zu hören, war schon fast peinlich...
      Du hast natürlich recht: Keiner der drei hätte eine derartige Bee Gees-Karriere alleine hingelegt. Das liegt aber auch an einer Eigenart der Musikkäufer, die stets nur die Gruppe hören wollen und nicht die Solo-Arbeiten. Mit dieser Eigenart hatten auch schon die Mitglieder der Rolling Stones, Eagles, Queen, Fleetwood Mac usw. zu kämpfen. Selbst die ersten Solo-Alben nach der Auflösung der Beatles floppten...
      Über den Erfolg oder Mißerfolg eines Albums entscheiden eine ganze Reihe Dinge, z.B. wurde das von Robin, Blue Weaver und Maurice Gibb (ja, er war bei der Produktion dabei, wurde aber auf dem Album nicht genannt)produzierte Album 'Sunrise' für Jimmy Ruffin nur deshalb ein Mißerfolg, weil das Album peinlicherweise erst zig Monate nach dem Single-Hit erschien. In meinen Augen ist es auch nicht unbedingt wichtig, ob ein Album kommerziell erfolgreich ist oder nicht, entscheidend ist die Frage, ob es gut oder schlecht ist. Ein Robin Gibb hatte mit Kompositionen wie 'Hold on to my love' oder 'Juliet' großen Erfolg - aber es gibt halt einen guten Grund dafür, daß kein namhafter Sänger diese Lieder jemals covern wird. Solche Lieder schliddern gerade mal haarscharf am billigen Deutschen Schlager vorbei.
      Andy Gibb ist in meinen Augen ein wirklich tragischer Fall. Ich glaube, den wenigsten ist es klar, welche Eigendynamik der kommerzielle Erfolg mit sich bringt ... und welcher Druck daraus erwächst. Die Solokompositionen seines zweiten Albums waren wirklich gut, und Andy hätte sich auf lange Sicht auch vom Einfluß seiner Brüder befreien können. Aber wenn man aufgrund des Konsums von Alkohol und Drogen keine Lieder mehr schreiben kann und zudem die Stimme infolgedessen am Boden liegt, dann kommt man aus dem Teufelskreis halt nicht mehr raus. Bei dem Album 'After Dark' ist ja einem Barry Gibb vorgehalten worden, er nehme einen immer größeren Einfluß auf die Musik seines Bruders. Die Realität bestand aber darin, daß ein Andy Gibb aufgrund der Drogen gar nicht in der Lage war, selbst ein Album zu schreiben und daß sein großer Bruder ihm mit diesem Album seinen kleinen Hintern rettete, denn schließlich hatte Andy Gibb einen Plattenvertrag zu erfüllen...
      Was mich persönlich ein wenig traurig stimmt, ist die Vorstellung, was die Bee Gees im Laufe der Jahre für Alben hätten machen können. Leider scheiterte dies am Eigensinn von Robin und Maurice Gibb, die sich nur dann zurückhielten, wenn ein Fremder mit im Studio war. So geschehen bei Main Course und ESP (beidemal Arif Mardin) und natürlich auch bei Still Waters. Die unterschiedlichen Produzenten bei Still Waters kamen ja übereinstimmend zu dem Schluß, daß sie eigentlich gar nichts zu tun hatten, weil Barry Gibb schon alles ausgearbeitet hatte. Es ist bis heute noch niemandem aufgefallen, daß dies der einzige Grund gewesen ist, aus dem heraus er diese Produzenten ins Studio geholt hat. Es war die einzige Möglichkeit, seine Brüder ruhigzustellen...

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